Kindergarten

Ja.

Zwei Dinge haben mich heuer umgetrieben. Joszi mit seinem Besuch, als er meine, damals noch kleinen, Kinder gesichtet hat und irgendwas von „Chemie“ herumgefaselt hatte, das ich nicht verstand. Und dass ich da ungeheure Mengen brauchen würde und dass das nun so teuer wäre….was ich aber auch nicht wollte, denn Chemie in Form von der absurden Menge die der Durchschnittsgärtner hier auf seine Pflanzen knallt, will ich auf keinen Fall. Wenn dann Chemie in Form von Dünger. Selbst Hühnerscheisse ist ja nix anderes als Chemie. Aber Joszi ist halt ….Joszi. Mal sehen wie ihm die Augen übergehen, wenn er meinen Kindergarten sieht.

Das andere war, dass ich zu wenig Kompost hatte, um meine Beete aufzufüllen. Ich hatte zwar bei der lokalen Greisslerin welchen bestellt (200 Liter) aber, das wäre nur ein kleiner Tropfen auf den heissen Stein gewesen, der da war: Ich hab so und soviel Beete, ich muss die befüllen, weil ich sie hoch gebaut habe. Und da kam der Nachbar, vier Häuser weiter ins Spiel.

Ein ausgesprochen freundlicher Wiener, der in seinem Garten im hinteren Bereich seit 15 (!) Jahren einen imposanten Dauerkompost angehäufft hat. Und er hat ihn mir frei überlassen. Über die Mühsal den Kompost mit meiner unzureichenden Schubkarre über vier Felder zu karren und das ca 150x rede ich hier nun nicht. Ich will das eigentlich aus meinem Gedächtnis streichen. Und aus dem Gedächtnis meiner Bandscheiben. So habe ich also meine Beete dann doch noch befüllt. Und mit roter Bete und Kohlrabi und Karotten und Erbsen und Broccoli und Schalotten und all dem kälteresistenten Kram bepflanzt. Ahja …Sellerie. Der auch noch. Dann hats geregnet und ich war froh. Denn ich habe scheinbar einen Gemüsegarten für eine Kommune angelegt und so ist die Giesserei so eine Angelegenheit.

Paar Tage später sichte ich (ich sichte meinen Gemüsegarten natürlich täglich) seltsame Dinge….massiven Aufwuchs von Mariendisteln. Ein Großteil der Beete ist ja noch abgedeckt, weil sie Heimat der Paprika, Gurken und Tomaten und all der wärmeliebenden Kinders werden. Und dann heb ich das Vlies hoch und was sehe ich!!  Irgendwelches rotes Kroppzeugs….keine Ahnung und…zu Hilfe…es sieht aus wie Ackerwinde….oh mein lieber Heinrich….mein erster Gedanke…was hab ich getan!!! Das Zeugs spriesste wie verrückt.

Ja.

So ist das. Ich hab dann noch alle Beete aufgedüngt, natürlich mir ein Werkzeug zusammen gebastelt, womit ich das Gesocks entfernen kann ohne mich zu bücken und wie eine bekloppte stundenlang über ein Beet gebeugt erscheine. Man wird ja nicht jünger. Und nun ist wieder alles sonnig im Garten. Die ominöse Unkraut-Front ist durchbrochen!  Aber ich wollte ja über meinen Kindergarten berichten.

Ja.

Der Kindergarten ist heuer gut gediehen. Ausfälle bei der Keimrate gabs, wie erwartet, bei den Tomatillos und den Jalapenos. Was ist bitte an diesen Pflanzen so kapriziert? Ich meine…Licht, Temperatur…come on!! Aber drei aus beiden Erwähnten haben es geschafft und das reicht auch. Der Rest….oh mei goodness. Die Bilder sprechen dann wohl ihre eigene Sprache.

Was ich noch angebaut habe, sind zahllose einjährige Sommerblümchen.(Jakobsleiter, Calendula, Dahlien, Zinnien, Tagetes, Ziertabak, Nachtviole, Kapuzinerkresse….und so Kram eben)  Einige davon notwendig. Weil ich ja keine Ahnung habe, welche Art von Kompost ich mir da mit der großzügigen Nachbarsgabe eingehandelt habe (abseits von Unkraut und Mariendisteln) MUSS ich Tagetes dazwischen pflanzen, also habe ich eine Steige davon ready to go. Nematoden und so.  Ein Teil von denen probiert schon mal Freiwuchs im Beet. (Ja ich weiss, Frost und so…aber ich hab so kleine Plastikküberln, die ich seit Jahren sammle, die kommen dann drüber und Ruhe ist) Einige Pflanzen ….vornehmlich Zinnien und Dahlien, in den Nachbarkompost gepflanzt, haben mich ein wenig stutzig gemacht. Sie sind anfangs gut gekeimt und gewachsen aber dann….irgendwie…gestorben. Dahingewelkt… An WAS? Ich habe echt Sorge, dass da Zeugs drinnen ist, von dem ich lieber nix wissen will.

Ich weiss, Sämlinge sollten in sterilem Anzuchtmedium heranwachsen, aber da bin ich dagegen. Ich meine, die Pflänzchen müssen nachher auch mit allem klarkommen, also warum sollte man sie vorher wie in einer Intensivstation behandeln? Mein Kindergarten geht durch eine harte Schule. Und in der Regel zahlt sich das aus, indem ich nachher wesentlich weniger Geschisse mit den Pflanzen habe, weil sie einfach weniger anfälliger für Geschisse sind als „invitro“ gezüchtete. Mein Kindergarten besteht aus Kämpfern. Die Helden Spartas sind da versammelt.

Genug geplappert.

 


Ja. Basilikum. Kommt unter oder zu meinen Tommies. Vier Beete sind für Fleisch- und das andere Tomatenzeugs gebaut. Fleischtomaten weil ich gerne Tomatensauce fürs ganze Jahr habe. Und hier wo ich nun bin wachsen die Boliden auch! Basilikum, weil das halt gut passt. Wichtiger ist bei Tomaten die Unterpflanzung von anderen Freunden, wie Tagetes und so. Aber ok.


Freu mich…alter Samen vom Tomatenflüsterer. Cayennechilis. In Salzburg hatte das nicht funktioniert. Jetzt aber! Sie will halt unbedingt blühen…die ganze Zeit schon. Ich bin halt echt schlecht im Blütenausknipsen. Ich meine….wer würde…Geschlechtsorgane wegnehmen….naaa..geht ned.


So sieht das aus. Ich hab zwei Lampen…unter die kommen die Lichthungrigsten, die vorher noch nicht rausdurften, weils zu kalt war. Nun da es wärmer ist, stehen da nur mehr die Kürbisgewächse und spezielle Kandidaten drunter. Solarium für Primadonnen.


Ja. Eine Jalapeno Chili. Beschissene Keimrate, aber ansonsten robuste Pflanze. Mal sehen was sie abliefert.


All der Kram zusammen. Jeden Tag in der Früh raustragen, Abends wieder reintragen. Das geht auf die Substanz und man kanns dann schon gar nimmer erwarten, wann man sie ENDLICH auspflanzen kann. Ich meine….es ginge ja schon. Aber. Will ich statt rein und raustragen wirklich den Megastress haben, wenns denn irgendwann doch noch mal friert? Das wäre dann Folie und Stress und was weiss ich ….und tote Pflanzen…Himmel…


Noch mehr….Kindergarten. Mit Blümchen und all dem Kram. Ich mag sie nimmer herumtragen.


Lieblingsfleischtomate. Prinz Tscherni. Unsagbar gut im Geschmack. Bisserl kapriziert was die Haltung anbelangt. Nix für Salzburg und Weicheier.


Paul Robson…auch eine Fleischtomate. Mal sehen. In Salzburg ist sie mir verlässlich an der Krautfäule eingegangen.So wie die San Marzano. Nachdem es hier im Sommer so gut wie nie regnet und der Joszi so Begriffe wie Krautfäule ned kennt, schaumer mal. (Obwohl ich vermute er spritzt ohnehin irgendeinen Kram auf seine Tommies, damit das was er ned weiss ned eintrifft)

Das wars mal wieder. Nächstes mal mache ich mal ein paar Fotos vom Salat und den anderen Kulturen die schon wachsen und sich gegen das Unkraut wehren.
Wir waren übrigens Ostern in Budapest und wieder mal kam mir schmerzlich in Erinnerung, dass ich vor ein paar Jahren das Sziget Konzert von Prince versäumt hatte….meine absolut letzte Chance ihn nochmal live zu sehen….bevor meine Ikone gestorben ist. Hat einigermassen weh getan. I die in your arms under the cherry moon.

 

 

2 Kommentare:

  1. Hallo Karin,

    ich sehe, du bist im Pflanzen – Garten Himmel angekommen. Gratuliere, dein „Kindergarten“ ist vorbildlich aufgestellt.
    Viel, viel Freude – weiterhin.

    Herzlichen Gruß
    Regina

    • Regina, was soll ich sagen. Mit zwei pinschigen Lampen und einem Südfenster und jeder Menge sommerlichen Tagen und dem damit verbundenen Rein und Raustragen des Kindergartens ist es mir schon ein wenig „eingeschossen“. Will heissen, mehr auftragen als man kauen kann.
      Nachdem die Eisheiligen heuer ausfallen, hab ich heute schon mal mit dem Feuer (Frost) gespielt und eine der vier Tomatengruppen in die Erde gebracht. ……ich muss nun schnell raus und nachsehen, obs ihnen eh gut geht.
      Liebe Grüße nicht aus dem Gartenhimmel, sondern aus dem Fegefeuer der „Bitte,bitte wachs und mach “ Abteilung für idiotische Idealisten.

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